Mit Schreibspielen zu spielerischem Schreiben

Amelie Gräf war endlich da. Und mit ihr ein auf den ersten Blick unscheinbarer hellblauer Kugelschreiber, der im Laufe der Veranstaltung zum Star des Abends avancierte. „Werbekulis sind böse“, weiß die renommierte Schreibtrainerin aus Hamburg. Zehn Stunden reiste der Kugelschreiber „Slider Rave“ Seite an Seite seiner Besitzerin im überfüllten Zug von Hamburg nach Salzburg.

„Die strapaziöse Reise hat sich total ausgezahlt, wie man hier in Österreich sagen würde“, so der Kuli aus dem Hause Schneider, „Ich war der eigentliche Star des Abends.“ Während er von einer weiblichen Schreibhand zur nächsten glitt, raunten „Aaaahs“, „Oooohs“ und „Wooows“ durch den Raum. „Boa, wie die Augen der österreichischen Mädels glänzten, als sie ihre aus meiner Mine stammenden Buchstaben zu Papier brachten“, so Slider Rave stolz.

Schreiben entstehe eben nicht nur im Kopf, ist Amelie Gräf überzeugt. „Schreiben ist eine sinnliche Sache, sie passiert mit dem ganzen Körper.“ Gemeinsam mit ihrem Begleiter Slider Rave demonstrierte sie eindrücklich, dass es eben nicht egal sei, womit und worauf man schreibt, und wie wichtig es sei, mal wieder mit der Hand zu schreiben, statt stupide in die Tasten zu klopfen, wie viele Muskeln man betätige (ich glaube, es waren an die 120!) und wie der kreative Prozess von der Fingerspitze bis zum Gehirn und wieder retour aufs Blatt verlaufe.

All das schilderte Amelie Gräf im Rahmen der Veranstaltung „Kreative Tricks gegen Schreibroutine und Floskeltrott“ der Salzburger Medienfrauen. Und dann ging es auch gleich zur Sache. Dem Schreiben. Übungen und Schreibspiele wie „Automatisch schreiben“, „Tretjakows Tasche“, „Tabu“ und zuletzt die Königsdisziplin des Haikuschreibens brachten Leben in den Seminarraum und rote Backen in die Gesichter der Teilnehmerinnen. Danke, Amelie, für die wertvolle Erinnerung: Schreiben darf leicht und spielerisch sein und ganz viel Spaß machen.

 

Text: Renate Sallaberger

Fotos: Claudia Höckner-Pernkopf