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Grenzgänger mit Humor – Kolumnist Harald Martenstein

Der mehrfach preisgekrönte Kolumnist Harald Martenstein war am Abend des 3. Aprils im Kuratorium für Journalistenausbildung zu Gast. Etwa 40 Medienfrauen nutzten die Gelegenheit, gemeinsam mit dem ZEIT-Kolumnisten in sein Werk einzutauchen und wertvolle Tipps für das eigene Schreiben zu bekommen.

Der Grundwiderspruch in seiner Arbeit als Kolumnist sei es, immer wieder Neues kritisch zu betrachten und dies in bekanntem Sound zu verpacken. Eine Kommode mit vielen Schubladen sieht er als Sinnbild für seinen Themenvorrat. „Eine Schublade sollte man nie zu oft hintereinander herausziehen.“, ist Martenstein überzeugt.

Die für ihn typische Leichtigkeit in der Sprache unterstützte der Kolumnist auch durch seinen lebendigen Vortrag. Wie man diese Leichtigkeit selbst erreicht? „Durchs Unterrichten wurden ich gezwungen, mir Gedanken darüber zu machen.“, sagt Martenstein. Ein paar seiner Regeln präsentierte der Erfolgskolumnist dann auch.

So sei es hilfreich, sich in einen E-Mail-Modus zu versetzen. Wenn man mit dem Gefühl schreibe, man erzähle die Geschichte einer vertrauten Person, falle die innere Zensur weg. Außerdem sollte man sich nicht gezwungen sehen, lustig zu sein. Für das Schreiben einer Glosse muss man in der richtigen Stimmung sein. Klar und einfach zu schreiben, ist die Devise. „Die Kunst ist es schließlich, komplizierte Gedanken einfach zu formulieren!“, bringt es Martenstein auf den Punkt. Außerdem ist er überzeugt, dass man als Kolumnist ein Grenzgänger ist.

Denn Humor spielt oft mit Tabus. Die Grenze liege aber da, wo es zur persönlichen Schmähung kommt. Außerdem ist es für Martenstein ein absolutes No-Go, sich über Eigenschaften lustig zu machen, die Leute haben, aber nicht ändern können. Dazu gehören beispielsweise Hautfarbe, körperliche Gebrechen etc.

Gleichzeitig gebe es aber auch ein Erfolgsrezept: „Meine Agentin hat mir mal gesagt, dass es vier Themen gibt, mit denen man als Autor besonders große Chancen auf einen Hit hat. Sie heißen Sex, Kinder, Tiere und Nazis.“

Text: Marion Flach
Fotos: Tanja Gratzer


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